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Pilgern von Metz -Vézelay Teil VI vom 12.-18.September 2017

Unter dem Titel “Erlebnis Pilgern ein Reisebericht”

verfasste unser Brudschaftsmitglied Dr. Jürgen Berg folgenden Pilerbericht

Anreisetag: Dienstag, 12. September

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Eine muntere und illustre Pilgerschar traf sich zum Start in Tonnerre. Entgegen dem Ankommen auf der letzten Pilgeretappe 2016 in strömendem Regen, begrüßte Tonnerre die Gruppe in diesem Herbst mit einem lauen Lüftchen und vielen Sonnenstrahlen.

Die Pilgerherberge war ein Haus mit einem idyllischen Garten, in dem der Gärtner der Anlage, die Pilger mit frischem Obst verwöhnte. Cordula kredenzte hierzu Chablis, den sie im vergangenen Jahr in Chablis nach der Weinprobe kaufte und nun extra aus Schleich an der Mosel zurück nach Frankreich transportiert hatte.

Wie zu jeder Pilgeretappe hat Isolde auch dieses Mal eine bebilderte und informative Wegbeschreibung vorbereitet, die jeder erhält. Dazu noch ein Liedheft, damit nicht nur die Stimmgewalt sondern auch die Textsicherheit gegeben ist.

20170909_105019Helmut Hartnagel ließ es sich nehmen auch in diesem Jahr die Pilger mit einem kleinen, selbst gefertigten Andenken zu überraschen. Da wir in diesem Jahr soviel durch Weinberge pilgern, fertigte er aus Rebenholzkreuze an, für jeden Pilger ein ganz individuelles.

Nach einem köstlichen Nachtmahl in einer Gaststätte, begab man sich zu Bett, um am anderen Morgen froh und munter, nach einer kurzen geistigen Besinnung, sich auf die erste Pilgeretappe zu begeben.

Mittwoch, 13. September – Etappe Tonnerre-Chablis

Der Weg führte von Tonnerre sofort steil bergan, was die Kondition der Pilger forderte und die Gruppe auseinander zog. Doch an markanten Wegpunkten sammelte man sich stets. Die reizvolle Landschaft, mit stetem Auf und Ab, führte die Pilgergruppe, mit mehr oder weniger munterem Schritt dem Etappenziel des heutigen Tages entgegen. Wie in den vergangenen Pilgeretappen war das Servicemobil stets bereit, seine Dienste zu leisten, beziehungsweise Hinweise zur Wegstrecke zu geben. IMG_5219

Auch wenn diese in der Regel ebenso hilfreich waren wie die jedem zur Verfügung stehende exakte Wegbeschreibung, verließ sich der Eine oder Andere auf sein in der Hosentasche befindliches Multimediagerät, was nicht nur zu Beginn der ersten Pilgeretappe sondern auch  im weiteren zu mehr oder weniger verwirrenden Diskussionen und Wegstreckenannahmen führte. Trotz dieses Umstandes kamen stets alle am vorgesehenen Ziel an.

So erreichten die Pilger körperlich geschwächt, aber frohen Mutes die erste Etappe in Chablis, wo als Unterkunft ein Hotel zur Verfügung stand. Nachdem sich rumgesprochen hatte, das jeder für sein tägliches Wohl selbst zu sorgen hat, trieb es den Einen oder Anderen in einen nahegelegenen Supermarkt, damit der Kaloriengehalt während der Pilgerstrecke gesichert war. Auch verzichteten viele auf das angebotene Frühstück für zwölf Euro im Hotel, sodass jeder sein Frühstück im Zimmer einnahm. Vor lauter Stress am Kaffeeautomaten, den die Hotelangestellte hatte, ging mancher ohne die erwünschten Dosis Koffein auf die nächste Etappe.

Donnerstag, 14. September Etappe Chablis-Auxerre

Dank der von Maria zum Patent angemeldeten Ummantelung der Füße mit Plastikfolie, gelang es dem den Bericht verfassenden, trotz der Widrigkeiten der Witterung trockenen Fußes und trockener Hose eine Strecke von über 10 km reibungslos zu überwinden. Im nämlichen Moment, in dem sich die Folie auflöste, stellte sich besseres Wetter ein. Frohgemut und dank des Spürsinns der Busbegleitung, stärkten wir uns in Venoy, in einem Bistro in luftiger Höhe. Das Mittagessen belohnte für den zurückgelegten Weg und stimmte ein, den Rest der 24 km langen Tageswanderung nach Auxerre zu überwinden.

DSC03287In Auxerre, eine sehr schöne historische Stadt, erwartete die Pilgergruppe eine wunderbare Herberge in einem idyllischen Park mitten im Stadtzentrum. Der gesamte Gebäudekomplex stand zur Verfügung. Mit hinreichend Duschen und Sanitäranlagen eine sehr empfehlenswerte Herberge.

Auxerre sprühte nicht nur bei der Ankunft sondern auch bei der bevorstehenden Pilgeretappe solch einen Reiz aus, dass kurz nach Verlassen der Herberge die Pilgerschar sozusagen in historische Gebäude ausströmte, was nicht nur bei den Verantwortlichen, sondern dem ein oder anderen Pilger Verwirrung hervorrief. Dennoch gelang es angekommen am Fluss Yvonne gemeinsam die Stadt zu verlassen, sodass niemand zurück blieb. DSC03291Der Weg aus Auxerre führte an einer idyllischen Fluss- und Kanallandschaft entlang. Bei herrlichem Wetter und gemächlichem Schritt konnte man nicht nur die Landschaft, sondern auch das Wasser und die Ruhe genießen. Lediglich das fortwährende Klack-Klack-Klack der mitgeführten Wanderstöcke, die nicht immer durch Gummiüberzüge geschützt waren, störte. Auch auf dieser Strecke spielten die mitgeführten Navigationsgeräte hier und da, bei Abzweigungen oder Weggabelungen ihr seltsames Spiel, aber nach kurzen oder längeren Diskussionen, verzweifelten Blicken, Kopfschütteln oder Bemerkungen, setzte sich die Gruppe mehr oder weniger zusammenhängend so in Bewegung, dass auch das angestrebte Etappenziel Accolay vollständig erreicht wurde.

Freitag, 15. September Etappe Auxerre -Accolay

In Accolay erwartete die Pilgergruppe eine sehr überschaubare Herberge. Zwei etwas grimmig dreinblickende Lehrkräfte betrachteten die eintreffenden Pilger, aber um so freundlicher wurden wir vom Bürgermeister empfangen. Aufgrund der der Tatsache,  dass an diesem Abend ein Elternabend in der Schule stattfand und nicht alle Pilger die Geduld aufbrachten zu warten bis das komplette Haus zu unserer Verfügung stand, entschied sich einige Pilger in der Gruppe, in einem nahegelegenen Hotel die Nacht zu verbringen. Mit freudig strahlenden Gesichtern, geduscht und für das Abendessen hergerichtet, erschienen diese im Lokal des Hotels. Ein köstliches Menü und auch der ausgeschenkte Wein schmeichelten dem Gaumen.

Samstag, 16. September Etappe Accolay – Lac Sauvin

Nach einer wohligen Nachtruhe stand dem Start am frühen Morgen nichts im Weg. In zwei Etappen von insgesamt 19 Kilometern lag das angestrebte Ziel, die Unterkunft La Jarrie, in Lac Sauvin.

IMG_3344 IMG_3343Ein Höhepunkt des Tages war die Besichtigung der Tropfsteinhöhle von Arcy-sur-Cure. Trotz einer auf unterschiedlichen Wegen sich befindenden Pilgerschar gelang es den pfiffigen Führern des Begleitfahrzeugs nahezu punktgenau, dass sich alle „ausgerissenen Pilger“ , die den Abzweig zur Höhle trotz, oder genau wegen Ihrem “Spielzeug Navi” verpassten, doch noch rechtzeitig am Eingang der Tropfsteinhöhle einfanden. In einer interessanten Führung wurden wir in die tiefen Geheimnisse der Entstehung und Entwicklung der Höhle eingewiesen. Dieses gelang jedoch nur dadurch, da Dank der Übersetzungkompetenz einzelner Mitpilger die Information auf Deutsch gegeben war.

DSC03315DSC03318Der weitere Weg führte auch hier durch eine reizvolle Landschaft, erst an der Cure vorbei, dann eine Kletterpartie den Fels hoch durch einen Wald, bei angenehmen Witter- ungsbedingungen, im Wechsel von Sonne und Wolken. Diejenigen, die als erste am Zielort La Jarrie in Lac Sauvin eintrafen, erlebten eine völlig aufgelöste Isolde.

Sie war erbost über den Zustand der Herberge, da entgegen der Absprache nun ein anderes, wenig ansprechendes Haus zu Verfügung stehen sollte. Doch die anfängliche Aufregung legte sich sehr schnell, da eine ältere Dame offenbar die Dinge aufgrund guter deutscher Sprachkenntnisse verstand, und die Angelegenheit einer kostruktiven Wendung zuführte. In Eile wurde das Haus gereinigt und besenrein übergeben. Das anschließende, kulinarisch Abendessen war ein Gaumengenuss. Nicht nur dieser versöhnte mit den Anfangsproblemen, nein auch der reichlich verfügbare Wein sorgte für den Ausgleich im Kopf, Herz und Magen.

Sonntag, 17. September Etappe Lac Sauvin -Vézelay

Gestärkt, mit einem überschaubaren Frühstück ging es dann sehr früh  auf die letzte 12 km entfernte Etappe nach Vézelay, denn  wir wollten pünktlich zur Eucharistiefeier um 11 Uhr die Basilika erreichen. Auch hier spielte das Wetter mit. Die Stimmung war gut, die Navigationsgeräte leisteten ihren Dienst bis hin zu einer in Verwirrung ausgearteten Ankunft am Endpunkt der Pilgerreise.

Erneut standen der ein oder andere im Zwiegespräch mit seinem Navigationsgerät. Zum guten Schluss trafen dann doch alle pünktlich zum Gottesdienst in der Basilika ein, auch wenn der gemeinsame Einzug in das Gotteshaus buchstäblich in Wasser fiel. Dennoch, belohnt wurden wir gegen Ende des Pilgerweges dahingehend, dass wir fast trocken die Kathedrale erreichten, denn der nachfolgende Regen hätte uns aufgeweicht.

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Nach einem etwas turbulenten Frühstück am darauffolgenden Morgen, trat ein jeder, als Gruppe, Paar oder Einzelperson den Heimweg an.

Obgleich verabredet war, dass auf dem Rückweg noch ein ehemaliges Kloster sowie ein Winzer besucht werden sollte, kam dieses nur in Teilen zustande, da bekanntlich „viele Köche nicht immer zu einem gelungenen Brei“ beitragen.

Wie auch immer, für alle die teilgenommen haben, wird der Weg von Tonnerre nach Vézelay in freudiger Erinnerung bleiben, auch wenn die eine oder andere Turbulenz zu Stirnrunzeln, Kopfschütteln oder Unverständnis geführt hat. Es überwiegt das gemeinsame Erleben im begehen einer schönen Landschaft, in geistiger, kommunikativer oder stiller Art und Weise. Somit ist es bedauerlich, dass  voraussichtlich kein „Weiter“ auf den Spuren des „Jakobusweges“  auf der in Vézelay beginnenden Via Lemovicensis in Richtung Santiago de Compostela geplant ist.

Dr. Jürgen Berg

gest. Isolde Bilsdorfer