„… wie ein Baum“ – Abschluss der Pilgerreihe auf dem Hunsrücker Jakobsweg
Mit dem Pilgerwochenende vom 12. bis 14. Juni fand für die St. Jakobusbruderschaft Trier (SJB) eine dreijährige Weggemeinschaft ihren Abschluss. Mehr als ein Dutzend Mitglieder machte sich auf den letzten Abschnitt des Hunsrücker Jakobswegs – zugleich Teil des Ausoniuswegs – von Gräfendhron nach Trier. Die drei vorangegangenen Abschnitte waren bereits in den Jahren 2023, 2024 und 2025 – jeweils an einem Wochenende- zurückgelegt worden.
Unter der organisatorischen Leitung von Wolfgang und der geistlichen Begleitung von Spiritual Martin stand die diesjährige Pilgertour unter dem Leitwort „… wie ein Baum“. Das Bild des Baumes zog sich wie ein roter Faden durch die drei Tage und lud dazu ein, über Verwurzelung, Wachstum, Beständigkeit und Glauben nachzudenken. Die abwechslungsreiche Landschaft des Hunsrücks bot dafür zahlreiche Anknüpfungspunkte.
Nach dem gemeinsamen Auftakt in der Wendalinus-Kirche von Gräfendhron machte sich die Gruppe am Freitag bei leichtem Nieselregen auf den Weg. Die erste Etappe führte durch die Hunsrücklandschaft über die Wallfahrtskirche Berglicht bis nach Büdlicherbrück. Ein besonderer Ort der Besinnung war die weithin sichtbare Kugelbaum-Eiche bei Breit. Vor dem imposanten, jahrhundertealten Baum betrachteten die Pilgerinnen und Pilger Psalm 1, der den Menschen mit einem Baum vergleicht, „gepflanzt an Bächen voll Wasser“, der Frucht bringt und dessen Blätter nicht welken. Nach dem teilweise anspruchsvollen Abstieg nach Büdlicherbrück endete der erste Pilgertag. Die Gruppe bezog ihr Quartier in Leiwen.
Der Samstag begann mit einem geistlichen Impuls zum Thema „Ich stehe vor einem Baum“. Bei sonnigem Wetter führte der Weg von Büdlicherbrück über die Höhen des Hunsrücks nach Fell und weiter bis Mertesdorf. Unterwegs regten weitere Impulse dazu an, die Erfahrungen des Pilgerns mit dem eigenen Lebens- und Glaubensweg in Verbindung zu bringen. Trotz mancher Anstrengung auf teils verwachsenen Pfaden blieb genügend Raum für Gespräche, gemeinsames Gehen und stille Momente.
Der Höhepunkt der Pilgerreise folgte am Sonntag. Nach dem geistlichen Start in den Tag führte der Weg durch die Weinberge zur Vierzehn-Nothelfer-Kapelle in Eitelsbach. Dort feierte die Gruppe gemeinsam mit Mitgliedern der Pfarrei und weiteren Angehörigen der Bruderschaft die Eucharistie.
Für eine besondere Überraschung sorgten Angelika und Alfred. In diesem Jahr sind beide 50 Jahre miteinander verheiratet; dieses Jubiläum wollten sie bewusst im Kreis der Pilgergemeinschaft feiern, um so ihre Dankbarkeit und ihre enge Verbundenheit mit der St. Jakobusbruderschaft zum Ausdruck zu bringen. Die Freude wurde noch größer, als sich unter den Gottesdienstbesuchern mit Bernd und Elfriede ein weiteres Ehepaar zu erkennen gab, das in diesem Jahr seine Goldene Hochzeit feiern darf.
Von Eitelsbach aus führte der weitere Weg über Ruwer nach Trier. Passend zum Leitmotiv wurde die letzte Rast im Nells Park eingelegt, dessen alter Baumbestand noch einmal Gelegenheit bot, die Gedanken der vergangenen Tage aufzugreifen. Dort überraschten Angelika und Alfred die Gruppe mit einem kleinen Sektempfang.
Anschließend führte das letzte Wegstück zunächst zur Basilika St. Paulin. Die Betrachtung des Lebens- und Kreuzbaums im Deckengewölbe der Kirche griff noch einmal das Leitmotiv auf und verband die Erfahrungen des Weges mit der christlichen Botschaft.
Ziel der Pilgerwanderung war der Dom St. Peter, wo die Pilgerwanderung in der Ostkrypta ihren würdigen Abschluss fand. Im Rahmen einer Segensfeier wurden Pilgerurkunden an jene Teilnehmer überreicht, die – in Anlehnung an die Tradition in Santiago de Compostela – auf ihrem Weg nach Trier mindestens 100 Kilometer, also die letzten drei oder alle vier Abschnitte, bewältigt hatten.
Beim anschließenden Beisammensein in Martins Wohnung klang das gemeinsame Unterwegssein in froher Runde bei Eis, Kaffee und Kuchen aus, die Teilnehmer konnten dankbar auf vergangenen Pilgertage zurückblicken.
Dabei war es für die Gruppe eine frohe Überraschung, dass neben Brudermeister Hubert und Stellv. Brudermeisterin Ricarda, die bereits die Messe am Morgen mitgefeiert hatten, auch Isolde eigens aus dem Saarland angereist war, um die Vereinsmitglieder zu begrüßen.
Insgesamt kann man die Pilgertour von Mainz/Bingen durch den Hunsrück nach Trier in vier Abschnitten als überaus gelungen bewerten. Scheinbar vertraute Landschaften, die man sonst immer mal wieder mit hoher Geschwindigkeit im Auto durchfährt, konnten im Rhythmus des Gehens neu entdeckt, Gemeinschaft intensiv erlebt und spirituelle Erfahrungen vertieft werden. Was im Alltag oft nur oberflächlich wahrgenommen wird, erschloss sich auf dem Pilgerweg mit neuer Aufmerksamkeit und Tiefe.
Nun richtet sich der Blick bereits nach vorn: Schon bald wird sich der Bruderrat mit der Frage beschäftigen, welchen Pilgerweg die Mitglieder der St. Jakobusbruderschaft in den nächsten Jahren unter die Füße nehmen sollen.
Martin Lörsch und Wolfgang Welter

























