Als Pilger unterwegs zwischen Küste, Wüste und Hochgebirge

Quelle der Karte: Andreas Voth, in: St. Jakobusbruderschaft Trier (Hg.), Pilgern auf Jakobswegen im Wandel, Würzburg 2023, 179.

* Mit der Pilgerreise wollte ich – wie in den beiden Jahren zuvor – körperlich, seelisch und geistlich auftanken, Abstand gewinnen und den Kopf freibekommen. Denn die zurückliegenden Wochen waren ziemlich anstrengend gewesen, daher verband ich mit dem Pilgern die Hoffnung, die Belastungen, Sorgen und Probleme, aber auch die Anliegen, die Menschen mir auf die Reise mitgegeben hatten, gleichsam „unter die Füße“ zu nehmen.

* Das zweite Motiv verdanke ich Prof. Andreas Voth aus Aachen. Gemeinsam mit ihm hatten wir als Jakobusbruderschaft im Jahr 2023 das Buch veröffentlicht: „Pilgern auf Jakobswegen im Wandel“. Darin hat er einen Beitrag verfasst mit dem Titel: „Wiederbelebung von Jakobswegen in Andalusien: Camino Mozárabe von Almeria nach Granada“ (S. 177-199). Die Beschreibung dieses Pilgerweges mit seiner Geschichte, die bis in die Anfänge der Christianisierung der iberischen Halbinsel am Ende de 1. Jahrhunderts zurückreicht, las sich für mich wie eine Einladung, diesen Weg nun auch selbst zu erkunden. Vom Wort „Mozarabisch“, d.h. „unter den Arabern lebend“ abgeleitet versteht sich der „Camino Mozárabe“ als Pilgerweg, der durch eine Region Andalusiens führt, in der Christen mehr als 700 Jahre unter dem Einfluss arabischer Herrschaft und Kultur standen.

* Schließlich hatte ich den Wunsch, Pfr. Heinz Brubach, Gründungsmitglied und erster Spiritual unserer St. Jakobusbruderschaft nach Jahren der Unterbrechung wieder zu besuchen und mich mit ihm auszutauschen. Dieser lebt seit vielen Jahren in der Nähe von Málaga.

So bin ich am Sonntag, 13. Oktober 2024 von Luxemburg nach Málaga geflogen und weiter mit dem Fernbus nach Almería gereist. Dort erwartete mich am Abend Nely von der Jakobusgesellschaft Almería-Granada, um mich auf den Pilgerweg einzustimmen und mit mir die Handy-Daten für Notfälle und die Übermittlung der Codenummern der einzelnen Selbstversorger-Pilgerherbergen entlang des Weges auszutauschen. Bereits diese erste Begegnung mit Ihr und ihren Freunden ist von großer Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft geprägt.

Mein Pilgerweg von Almería nach Granada im Überblick

Der spanisch-englische Pilgerführer „Guía del Camino Mozárabe de Santiago de Almería a Mérida“, der mir von der Asociación Jacobea de Almería-Granada Camino Mozárabe“ als pdf-Datei1 zur Verfügung gestellt worden ist, empfiehlt für die ca. 200 km von Almería nach Granada neun bis zehn Tage.

1. MO, 14.10.: Etappe: Almería – Rioja – Santa Fe de Mondujar

Am Montagmorgen starte ich an der Jakobuskirche von Almería (die Kathedrale, den eigentlichen Ausgangspunkt dieses Camino, hatte ich bereits am Vorabend besucht). Der Weg führt aus der Stadt heraus und dann durch das trockene Flussbett des Rio Andarax sowie über relativ leicht begehbares hügeliges Gelände. Am Abend treffe ich in Santa Fe de Mondujar ein und beziehe Quartier in einer privaten Herberge. Dort lerne ich Michael kennen, einen australischen Pilger, und schaue mit ihm gemeinsam im Fernseher das Fußballspiel der UEFA-Nations-League: Spanien gegen Dänemark (1 : 0). Michael wird mich am folgenden Tag und bis Mittag des übernächsten Tages begleiten. Von da an werde ich bis Granada alleine unterwegs sein.

2. DI, 15.10.: Santa Fe de Mondujar – Alboloduy

Bereits bei der zweiten Etappe am Dienstag geht es steil bergauf und auf der anderen Seite des Hügels wieder bergab. Von dort folgen wir dem Rio Nacimiento, der mich auch an den weiteren Tagen begleitete. Tagesziel war die Herberge der Kleinstadt Alboloduy. Dort erwartet uns Linda, eine englische Hospitalera um Mitte 60 mit großer Herzlichkeit. Gemeinsam mit ihr bereiten und genießen wir ein Abendessen aus dem, was ihr Kühlschrank und meine letzten Vorräte hergaben. Landschaftlich werden wir hier bereits in die Gebirgslandschaft eingestimmt, die mich an bis nach Granada begleiten wird. Gegen 21.30 Uhr trifft die Bürgermeisterin Sonia ein. Ich übermittele ihr die Grüße von Prof. Voth, mit dem wir spontan noch ein kurzes Telefonat führen. In einem interessanten Gespräch tauschen wir uns danach über ihr Engagement zur Entwicklung dieser ländlichen Region aus.

3. MI, 16.10.: Alboloduy – Nacimiento – Ocaña

10. MI, 23.10.: Quentar – Granada