Vier Kilometer, sieben Schmerzen und ein heiliger Simeon – Feierabendpilgern in Trier-West
Rund 25 Pilgerinnen und Pilger folgten der Einladung der St. Jakobusbruderschaft Trier zu einer pilgernden Stadtteil-Begehung in Trier-West.
Unter Leitung der beiden Jakobusbrüder Hans Willkomm und Hans-Jürgen Berg ging es am Dienstag, 15.9. vom Brückenkopf der Kaiser-Wilhelm-Brücke zunächst ein kleines Stück moselaufwärts zur 1786 erbauten Kirche St. Simon und Juda, wo wir von der Küsterfamilie mit lautem Glockengeläut empfangen wurden.
Nach einer Statio im barocken Saalbau genoss die Gruppe auf dem daneben liegenden Friedhofsgelände mit einem Impuls ‚Zur Ruhe kommen. Loslassen‘ die Stille; eine Stille, die man hier, so nahe unterhalb der ‚Bitburger‘ nicht erwartet hätte.
Vorbei an der 2016 profanierten Kirche Maria Königin (heute eine Immobilie mit 17 Wohnungen) pilgerte die Gruppe zum Stationsweg der „Sieben Schmerzen Mariae“ und lauschte dort einer Erzählung, die sich auf das Gedicht ‚Die Kreuzschau‘ von Adalbert von Chamisso bezieht: ein Mensch, der sich bei Gott über sein allzu zu schweres Kreuz beklagt. Ein Engel bietet ihm – im Traum – eine Reihe verschiedener Kreuze an. Der Pilger probiert sie aus, findet jedoch keines passend. Schließlich aber entdeckt er ein schlichtes Kreuz, das seiner Kraft angemessen scheint. Erst beim genaueren Hinsehen erkennt er, dass es sein eigenes Kreuz ist – woraufhin er es ohne Klage wieder aufnimmt…
(Eigentlich könnte man von hier weiter zur Maria-Hilf-Kapelle gehen, leider ist der Zugang – aus Sicherheitsgründen – versperrt.)
Nach einem kurzen Stopp bei den Ruinen des altrömischen Tempelbezirks Irminenwingert und Informationen zum Lenus-Mars-Tempel ging es, am Jugendwerk Don Bosco vorbei, weiter zur Krypta des heiligen Simeon, die sich in der 2019 ebenfalls profanierten Kirche St. Simeon befindet.
Hier begrüßte uns Pastoralreferentin Katja Bruch, der die Leitung der Pfarrei ‚Maria im Westen‘ obliegt, die zum 1.1.2026 durch Fusion der alten Pfarreien St. Martinus (Trier-Zewen), St. Helena (Trier-Euren), St. Simeon und Christkönig (beide Trier-West) sowie St. Simon und Juda (Trier-Pallien) hervorging.
Über Simeons Leben (um 980/990-1035) und seine Überführung nach Trier-West berichtete Bernd Steil, der sich mit einigen Mitstreitern seit Jahren sehr für das ‚Projekt Simeon‘ engagiert.
Simeon wurde um 980/990 in Syrakus auf Sizilien als Sohn eines griechischen Offiziers geboren, wuchs in Konstantinopel auf und erhielt dort seine Ausbildung.
Mehrere Jahre wirkte er als Pilgerführer im Heiligen Land, wurde dann Mönch in Bethlehem und lebte später im Katharinenkloster auf dem Sinai, wo er sich auf das Leben als Einsiedler vorbereitete.
1026 wurde er als Almosensammler in die Normandie gesandt; von 1028 bis 1030 begleitete er Erzbischof Poppo von Babenberg auf dessen Pilgerreise nach Jerusalem.
Nach der Rückkehr ließ sich Simeon am Andreasfest, dem 30. November 1030, feierlich im Ostturm der Porta Nigra in Trier als Eremit einmauern.
Seine Nahrung – Brot, Wasser, teilweise auch Wein und Gemüse – wurde ihm in einem Korb an einem Seil hochgezogen; eine kleine Öffnung diente als Kontakt zur Außenwelt.
An seinem Grab in der Porta Nigra sollen zahlreiche Wunder geschehen sein, darunter Heilungen von Lahmen, Blinden und Schwerkranken; dies förderte rasch eine starke lokale Verehrung.
Auf Betreiben von Erzbischof Poppo wurde Simeon bereits wenige Monate nach seinem Tod heiliggesprochen.
Nachdem Poppo die Porta Nigra zur Doppelkirche umbauen ließ, wurde Simeon zunächst in der Unterkapelle bestattet.
Bis 1400 ruhten die Gebeine nahe seiner Zelle; am 9. Januar 1400 wurde der Sarg geöffnet und die Identität bestätigt, danach erfolgte eine erneute Bestattung im gleichfalls unter Poppo erbauten Simeonstift.
Ab 1748 lagen die Reliquien in einem spätbarocken Marmorsarkophag; am 7. Oktober 1803 wurden sie in die damalige Kirche St. Gervasius überführt.
Diese Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört; der beschädigte Sarkophag wurde erst 1965 geborgen.
Am 30. Oktober 1971 wurden Reliquie und Sarkophag in der Krypta der neuerrichteten Kirche St. Simeon in Trier-West beigesetzt.
Zwar ist diese Kirche, wie oben erwähnt, entweiht; die Krypta aber ist weiterhin geweihter Raum.
Nach Absprache (Pfarramt!) sind Besichtigungen möglich.
Mit Betrachtungen zur Notwendigkeit, auch ‚Vorübergehend einmal nicht erreichbar‘ zu sein, einem gemeinsamen Taizé-Gesang, dem Pilgersegen zum Abschluss und um viele Eindrücke reicher endete nach gut zwei Stunden und rund vier Kilometern eine eindrucksvolle Pilgerung auf Triers linker Moselseite.









